LÜDERSBURG

aktualisiert am 07.06.2019

Lüdersburg ist eine Gemeinde in der Samtgemeinde Scharnebeck im Landkreis Lüneburg in Niedersachsen.
Ortsprägende Gebäude sind die Kirche und das Herrenhaus vom Gut Lüdersburg, genannt Schloss Lüdersburg.
Überregional bekannt ist die Golfanlage Schloss Lüdersburg mit zwei 18-Loch-Plätzen (Old Course und Lakes Course) und einem öffentlichen 4-Loch-Kurzplatz.

Lüdersburg liegt im Biosphärenreservat "Niedersächsische Elbtalaue" Teil A.

Geo-Koordinaten: 53°19' 6''  N  (nördliche Breite)
                             10°34' 26'' O  (östliche Länge)

GEMEINDE LÜDERSBURG

Wappen

GEMEINDE LÜDERSBURG aktualisiert am 07.06.2019

Lüdersburg ist eine Gemeinde in der Samtgemeinde Scharnebeck im Landkreis Lüneburg in Niedersachsen.

Die Gemeinde erstreckt sich auf einer Fläche von 18,87 km² auf 6 m Höhe über NN. 

Ende 2016 hatte Lüdersburg 639 Einwohner was einer Bevölkerungsdichte von 34 Einwohner je km² entspricht.

Zur politischen Gemeinde gehören, neben dem Ort Lüdersburg, die Ortsteile Ahrenschulter, Bockelkathen, Grevenhorn, Jürgenstorf und Neu Jürgenstorf.

Bis 1974 waren die Ortschaften Lüdersburg und Jürgenstorf zwei selbstständige Gemeinden. Im Zuge der Gebietsreform wurde die Gemeinde Jürgenstorf am 1. März 1974 in die Gemeinde Lüdersburg eingegliedert.

In der Gemeinde Lüdersburg gibt es zwei Freiwillige Feuerwehren, Lüdersburg (gegr. 1894) und Jürgenstorf (gegr. 1896). Beide Feuerwehren haben zusammen etwa 45 Mitglieder. Für Brandschutz ist die Samtgemeinde Scharnebeck zuständig.

1905 gründete sich der Gesangverein Eintracht. 1921 entstand der Sportverein Lüdersburg mit einer Fußballmannschaft, aus dem am 1. Januar 1924 der Turnverein Lüdersburg wurde. Beide Vereine lösten sich in den 1950er Jahren auf. Nachfolgeorganisationen sind der Lüdersburger Shantychor Achtern Elvdiek e.V., gegründet 2000, und der Sportverein Lüdersburg von 1985 e.V.

Das erste Haus in Bockelkathen wurde 1654 von Hanß Bockelmann errichtet.
Das älteste Haus in Lüdersburg steht in der Kirchtwiete. Es ist ein 2-Ständer-Fachwerkhaus mit Reeteindeckung und wurde 1736
errichtet.

Die Verwaltung der Samtgemeinde befindet sich in 21379 Scharnebeck, Marktplatz 1.
Die Verwaltung der Gemeinde Lüdersburg befindet sich in 21379 Lüdersburg, Lüdersburger Straße 32.

Das Wappen der Gemeinde ist vertikal geteilt. Auf der nichtheraldischen linken Seite befindet sich ein silbernes Bauwerk, das die ehemalige Burg des Rittergutes darstellt, oberhalb von zwei silbernen Wasserläufen der alten Neetze und der Bruchwetter auf grünem Grund.
Die nichtheraldische rechte Seite zeigt einen sechsblättrigen grünen Lindenzweig auf goldenem Grund. Die Lindenblätter stehen für die 6 Ortsteile der Gemeinde. Die Zweige für die weite Ausdehnung.

DIE LÜDERSBURG


DIE LÜDERSBURG aktualisiert am 07.02.2020


Von Karl dem Großen bis zum Lüdersburg von heute


Beteiligte:

Karl der Große
Heinrich I.
Otto der I. Der Große
Hermann Billung
, Herzog in Sachsen
Westslawische Stämme: Abodriten, Polaben, Redarier, Wagrier, Wilzen 

Zeitraum:
Frühes Mittelalter (600 - 1100 nach Beginn unserer Zeitrechnung)
Hier: 800 - 1000



Karl der Große

geb. 2.2.747, gest. 28.1.814
768 - 814 König des Frankenreiches
25. Dezember 800 Krönung zum Römischen Kaiser

Karl der Große war alles andere als eine edle Natur. Echte Frömmigkeit stand neben erschreckender Brutalität, Barmherzigkeit neben tödlicher Kaltherzigkeit, Milde neben mörderischer Bedenkenlosigkeit, Edelsinn neben perverser Gemeinheit, persönliche Anspruchslosigkeit neben wahnhafter Hybris (Selbstüberschätzung). Seine ganze Politik war lüsterne Eroberungssucht, war Eingliederung fremder Ethnien und Territorien.  

Zwischen Franken und Sachsen hatte es anhaltenden Frieden nie gegeben. Von beiden Seiten aus drangen Jahr um Jahr Kampftruppen mit Raub und Brandschatzung in den jeweils anderen Raum des Volkes ein. Das war zu der Zeit allgemeiner Brauch.

772 begann Karl den Krieg gegen die Sachsen. Ziel war die Unterwerfung und Eingliederung der Sachsen in sein Frankenreich. Dieser Krieg sollte 30 Jahre andauern. Er war der erste von drei blutigen Dreißigjährigen Kriegen im europäischen Raum.

Zu seiner letzten Schlacht gegen die Sachsen überquerte Karl der Große 798 mit seinem Heer die Elbe durch die Furt bei Artlenburg und führte mit Hilfe der heidnisch slawischen Abodriten unter ihrem Fürsten Drasco einen vernichtenden Feldzug gegen die nordelbischen Sachsen und besiegte sie auf dem Sventanafeld bei Bornhöved.

Drasco, zunächst Kleinkönig, war ab 795 Heerführer und von 804 bis zu seinem Tod 810 Samtherrscher des westslawischen Stammesverband der Abodriten und Vasall unter Karl dem Großen.

Nach Beendigung des Sachsenkrieges ergriff Karl der Große Maßnahmen zum Schutz der Ostgrenzen seines Großfränkischen Reiches und errichtete Marken längs der Elbe, Saale und des Böhmerwaldes. Diese Marken besetzte er mit Königsboten. Sie hatten die Grenzaufsicht, waren zur Grenzkontrolle verpflichtet, hatten das Recht zur Erhebung des Zolls auf Einfuhr und Ausfuhr von Waren. Sie besaßen die administrative, juristische, polizeiliche und richterliche Gewalt in ihrer jeweiligen Mark.


Limes Saxoniae 
Noch im selben Jahr nach der Ermordung Drascos 810 vereinbarte Karl der Große bei seinem letzten Besuch in Norddeutschland  auf dem Reichstag in Verden mit dem Abodritenfürsten Slavomir, dem Samtherrscher der Abodriten und Nachfolger Drascos,  eine Grenze in Nordalbingien zwischen sächsischem und slawischem Siedlungsgebiet. Die Grenze erhielt den Namen "Limes Saxoniae".

Westlich dieser Grenze siedelten die Sachsen, östlich der Grenze die slawischen Stämme.  

Der Ausgangspunkt des Limes lag am rechten Ostufer der Elbe zwischen Boizenburg und Bleckede, dort auf der Vermessungshöhe 12,9 m nördlich der Sude und südöstlich von Gothmann. Von dort führte der Limes nach Nordwesten an die Delvenau, dann den Hornbeker Mühlenbach hinauf, über das Koberger Moor nach Norden zu einem Fluss, der bei Oldesloe in die Trave mündete, verlief dann traveaufwärts, löste sich nördlich von Segeberg von der Trave, zog nach Norden über den Grimmelsberg, erreichte den Schmalensee und folgte dem Lauf der Alten Schwentine über Preetz bis in die Kieler Förde.

Bei dieser Grenze handelte es sich nicht um eine durchgehend befestigte Wehranlage, sondern um eine mitten in einer schwer zu durchdringenden Sumpf- und Urwaldlandschaft definierte Linie. Der Verlauf folgt im Wesentlichen natürlichen Hindernissen, Flüssen, Bächen, Sümpfen sowie unwegsamen Wäldern und ist keineswegs so scharf umrissen oder gar befestigt wie der römische Limes.

Auch eine nur punktuelle Grenzbefestigung am Limes ist nicht bekannt. So konnte dieser Limes keinen nachhaltigen Schutz vor Überfällen und Eroberungen durch die Abodriten bieten.

Im Verlauf der folgenden ca. 300 Jahre hielten sich die Slawen nicht viel an diese Grenzziehung.

Immer wieder durchzogen sie plündernd und sengend Holstein, Stormarn und Dithmarschen. Nordalbingien wurde immer wieder verwüstet. Sie zerstörten Dörfer, raubten Nahrungsmittel, verschleppten die zum Christentum bekehrten Sachsen, versklavten sie und opferten sie sogar ihren Göttern in Rethra, östlich der Müritz, oder in der- heute genannten- Tempelanlage Jaromarsburg am Kap Arkona auf Rügen.


Die Wenden

Der Begriff Wenden ist die älteste Bezeichnung für alle Angehörigen der westslawischen Stämme, die auf dem heute deutschen und auf Teilen des dänischen Territoriums siedelte bzw. immer noch leben.

Die Wenden waren kein homogenes Volk, sondern eine große Zahl verschiedener Stämme, die jeweils ihre eigene Sprache, Kultur und Religiosität hatten. So lebten beispielsweise im Norden Ranen, Wagrier, Wilzen, Abodriten, östlich von den Lusizern die Lebuser und Selpoli, im Süden die Orla. 

Der Begriff Slawe stammt aus dem 5.-6. Jahrhundert nach Beginn unserer Zeitrechnung und bezeichnet die Angehörigen aller Stämme, deren Herkunft man beim Fluss Dnjepr vermutet und die der gleichen indogermanischen Sprachfamilie zugeordnet werden können. Dazu gehörten auch die wendischen Stämme.

Der Dnjepr ist ein 2201 km langer Strom, der durch Russland, Weißrussland und die Ukraine fließt und in das Schwarze Meer mündet. Er ist der dritt längste Fluss in Europa und auf 1700 km schiffbar.

Etwa ab dem 6. Jahrhundert besiedelten die Slawen die durch die Völkerwanderung (375 - 525) freigewordenen Gebiete im heutigen westlichen Mecklenburg, im östlichen Holstein und Lauenburg, in Brandenburg, auf Rügen und Umland von Rügen. Im 10./11. Jahrhundert siedelte der Teilstamm der Polaben des slawischen Großstammes der Abodriten im Nordteil des heutigen Kreises Herzogtum Lauenburg.


Westslawische Stämme


Abodriten

Abodriten oder Obodriten war ein elbslawischer Stammesverband, der vom 8. bis 12. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg und des östlichen Holstein siedelte. Der Name Abodriten begegnet erstmals für das Jahr 789 in den zeitgenössischen Reichsannalen als Abodriti.

Ende des 7. Jahrhundert wanderten Slawen in das Gebiet zwischen Elbe und Oder ein, aus denen sich im Norden der abodritische Stammesverband bildete. Zu dem Stammesverband gehörten zu unterschiedlichen Zeiten die Wagrier, Travjanen, Polaben, Kessiner, Warnower, Zirzipanen, Smeldinger, Bethenzer und Linonen.
Der Name leitet sich vom Stamm der Abodriten ab, der um Wismar und Schwerin ansässig war und innerhalb des Verbandes eine Führungsrolle einnahm.

Redarier

Die Redarier waren ein westslawischer Stamm, der im Mittelalter auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern siedelte. Sie traten erstmals im Jahre 929 in Erscheinung und gehörten ab dem 10. Jahrhundert dem Liutizenbund an, in dem sie eine Führungsrolle ausübten.
Die Liutizen waren ein loser Bund einiger nordwestslawischer Stämme, die im Mittelalter den Südosten des heutigen Mecklenburg-Vorpommern und den Norden des heutigen Brandenburg bevölkerten. Sie waren führend am großen Slawenaufstand von 983 beteiligt.

Der Name Redarier begegnete erstmals in einer Urkunde des ostfränkischen Königs Otto I. Der Große vom 14. Oktober 936 als Riadri.
Das Siedlungsgebiet der Redarier lag zwischen Neubrandenburg im Norden und Neustrelitz im Süden, also das Gebiet der Länder Stargard und Wustrow im südöstlichen Mecklenburg.

Politisches und religiöses Zentrum der Redarier war die Tempelburg Riedegost, besser bekannt unter dem Namen Rethra. Die Tempelburg ist nicht lokalisierbar. Geschichtsschreiber vermuten sie im Siedlungsgebiet der Zirzipanen.

Geschichtsschreiber berichten für das 10. Jahrhundert immer wieder von bewaffneten Konflikten zwischen Redariern und Sachsen. Heinrich I. beauftragte die Grafen Bernhard und Thietmar mit einem Feldzug gegen die Redarier. Sie besiegten die Redarier am 4. September 929. Der Eintrag in den Annalen verzeichnet sagenhafte 120.000 gefallene Slawen und 800 Gefangene, die am Hofe Heinrich I. geköpft wurden.
Im Jahre 967 kam es zu einem weiteren Kampf zwischen Sachsen und Redariern.

Im 11. Jahrhundert finden die Redarier keine Erwähnung mehr.

Wagrier

Die Wagrier waren der nordwestliche Teil des slawischen Stammesverbandes der Abodriten. Ihr Siedlungsraum umfasste im 12. Jahrhundert die Gebiete Ostholsteins und Plön und grenzte im Westen an den Limes Saxoniae und im Süden an die Trave.
Hauptburg der Wagrier war der Seehandelsplatz Starigard / Oldenburg.
Wann der Teilstamm der Wagrier entstanden ist, konnte noch nicht geklärt werden. Einigkeit besteht lediglich insoweit, als er sich insbesondere zur Zeit der slawischen Landnahme und im 8. und 9. Jahrhundert noch nicht gebildet hatte.
Die Wagrier widerstanden verhältnismäßig lange den deutschen Bemühungen um eine Christianisierung. Nach der Unterwerfung durch Otto I. im frühen 10. Jahrhundert wurden zumindest Teile des Adels zum Christentum bekehrt.

Die Wagrier waren im westlichen Ostseeraum gefürchtete Piraten, die nach Wickingerart vor allem die dänischen Inseln drangsalierten.


Polaben

Die Polaben waren ein westslawischer Stamm im nördlichen Deutschland im 11. und 12. Jahrhundert. Sie waren Teil des Verbandes der Abodriten. Bis ins 18. Jahrhundert lebten slawischsprachige Dravänopolaben im Wendland östlich von Lüneburg. Dort assimilierten sie sich den Niedersachsen, was zum Aussterben der polabischen Sprache führte.

Das Siedlungsgebiet der Polaben erstreckte sich zwischen der Trave und Elbe sowie entlang der Jeetzel. Heute entspricht das Gebiet ungefähr dem Landkreis Herzogtum Lauenburg, Lüchow-Dannenberg, Nordwestmecklenburg und Ludwigslust sowie Teilen des Altmarkkreises Salzwedel und des Landkreises Prignitz.

Die Hauptburg der Polaben lag wahrscheinlich zunächst in Hammer, später in Ratzeburg.

Zirzipanen
Wilzen                         


Heinrich I.


Otto I. Der Große

geboren 23.11.912, gestorben 7.5.973
936 Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches,
951 König von Italien
955 Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld über die Ungarn und Sieg über die Slawen
961 Eroberung des Königreichs Italien
962 Krönung durch Pabst Johannes XII in Rom zum römisch-deutschen Kaiser
968 Gründung des Erzbistums Magdeburg

Die Gründung des Erzbistums Magdeburg war für Otto die entscheidende Voraussetzung für die Christianisierung der Slawen.

Wie bereits Karl der Große, errichtete Otto der Große an den Außengrenzen seines Reiches sogenannte Marken und unterstellte sie Markgrafen. Die Markgrafen waren mit besonderen militärischen Befugnissen zur Grenzverteidigung ausgestattet.

Zu ihnen gehörte auch Hermann Billung.



Hermann Billung

geboren 912, gestorben 27. März 973 in Quedlinburg

Hermann Billung war Herzog in Sachsen
und ein Nachfahre aus der Verwandtengruppe Widukinds. Diese war mit Abstand die einflussreichste, vornehmste, reichste und mächtigste Verwandtengruppe im nördlichen Sachsen.
Widukind stammte aus einem westfälischen Adelsgeschlecht und führte als dux Saxonum, also als Herzog der Sachsen, in den Jahren 777 bis 785 den Widerstand gegen Karl dem Großen in den Sachsenkriegen. Die Sachsen unterlagen letztlich den militärisch überlegenen Franken. So wurde der heutige Nordwesten Deutschlands dem Karolingerreich einverleibt und schließlich auch christianisiert.

Hermanns Residenz war die Burg auf dem Kalkberg in Lüneburg.

Der jetzt geläufige Name Billung ist möglicherweise nicht zeitgenössisch.

Hermann Billung hatte einen scharfen Verstand. Durch seinen strengen Gerechtigkeitssinn und sein schlichtes Auftreten in Verbindung mit einem ansprechenden Äußeren war er sowohl im Volk wie auch bei Hofe sehr geachtet. Er verfügte im sächsischen Herzogtum, vor allem im Bardengau, über umfangreiches Grundeigentum.

Hermann war zeitweilig Stellvertreter Ottos I im Herzogtum Sachsen.
936 bestellte Otto I ihn zu seinem neuen Heerführer (princeps militiae) und übertrug ihm die Leitung des Feldzuges gegen die Redarier, die er besiegte. 

Im 10. Jahrhundert ist princeps die staatsrechtliche Bezeichnung für ein Amt von überregionaler Funktion und staatlicher Gewalt, die der Grafengewalt übergeordnet ist.

953 ernannte Otto I. ihn für die Dauer seiner kriegsbedingten Abwesenheit zu seinem Stellvertreter in Sachsen (procurator regis) und übertrug ihm die Aufgaben des Herzogs in Sachsen wahrzunehmen. (1. Prokuration)

Bei Antritt des 2. Romfeldzuges 961 übertrug Otto I. wiederum Hermann die Prokuration in Sachsen. (2. Prokuration) 966 bestellte Otto I. Hermann erneut zu seinem Stellvertreter. (3. Prokuration)

Hermann starb am 27. März 973 in Quedlinburg.

Sein Sohn Bernhard I. veranlasste die Überführung des Leichnams von Quedlinburg nach Lüneburg, wo die Beisetzung in der Kirche des von Hermann gestifteten Michaelisklosters erfolgte.

Nach seinem Tod stellten seine männlichen Nachkommen in gerader Linie über vier Generationen die Herzöge in Sachsen.

Für die folgenden 100 Jahre gibt es keine weiteren nennenswerten Aufzeichnungen über Hermann und seine Nachkommen.



Die Furt durch die Elbe bei Artlenburg

Schon seit dem Ende der Steinzeit vor 12000 Jahren verlief durch die Elbefurt bei Artlenburg ein überregional bekannter Verbindungsweg von den Mittelgebirgen zur Ostsee.

Im 5. Jahrhundert erreichten die Römer unter der Führung ihres Feldherrn Tiberius die Elbe und gelangten durch die Furt an das gegenüberliegende Nordufer der Elbe.

Karl der Große überquerte 798 die Elbe durch diese Furt auf seinem Weg zum Feldzug gegen die Sachsen in Nordalbingien.

Um 900 überquerten die Wenden von Norden her die Elbe durch die Furt bei Artlenburg. Es ist nachgewiesen, dass Bütlingen von den Wenden zerstört wurde. Bütlingen war zu diesem Zeitpunkt der westlichste Punkt, bis zu dem die Wenden vorgedrungen waren.

Im Dreißigjährigen Krieg wechselten schwedische Truppen unter der Führung von Feldmarschall Baner 1635 und 1636 die Uferseiten.

Im November 1805 überquerten 10000 Schweden zum Kampf gegen Napoleon hier die Elbe.

1806 wechselte Marschall Hermosilla mit 7000 Soldaten von Lüneburg kommend durch die Furt auf die andere Elbeseite.



Hermann Billung und die Lüdersburg

Im Jahre 936 hat Otto der Große Hermann dauerhaft mit der Grenzsicherung im Nordosten beauftragt.

Seiner markgräflichen Gewalt unterstanden neben den benachbarten Wagriern und Abodriten auch die rund 200 km östlich der Elbe siedelnden Redarier und Wilzen.

Hermann hat die slawischen Stämme in straffer Abhängigkeit vom Reich gehalten und über deren Fürsten eine Art mittelbarer Herrschaft ausgeübt.
Gegenüber den Abodriten verfolgte Hermann eine auf Ausgleich und Bindung bedachte Politik.

Um 900 überquerten die Wenden die Elbe bei Artlenburg und zerstörten Bütlingen. 

Nach dem Auftrag zur Grenzsicherung durch Otto dem Großen drängte Hermann die Wenden durch die Furt über die Elbe bei Artlenburg zurück.

Zur Absicherung der Furt errichtete Hermann Burgen (befestigte Plätze mit Wall und Wallgraben) in Bütlingen, Lüdershausen, Dreckharburg und Barum.

Zur weiteren Absicherung der Furt durch die Elbe baute Hermann die Ertheneburg in Artlenburg, die ihren Ursprung wohl in dem heutigen Kirchturm hat.
Auf diese Burgen gestützt, konnte Hermann dann endlich gegen die Wenden jenseits der Elbe vorgehen, indem er auf der gegenüberliegenden Nordseite der Elbe eine weitere Burg errichtete, die Striepenburg (vor 973).

Nachdem Hermann Billung so das Einfallstor der Wenden bei Artlenburg über die Elbe abgesichert hatte, musste er darauf bedacht sein, die Absicherung nach Osten entlang der Elbe weiter fortzuführen und die Wenden aus dem Gebiet der Elbmarsch bis Bleckede zu verdrängen bzw. fernzuhalten.
Er tat das in Abschnitten, indem er die bisherige Methode, dass er nämlich Burgen gegen sie anlegte, auch weiter beibehielt.
So entstanden mehrere Verteidigungslinien von Burgen oder Befestigungsanlagen, die alle in der Richtung von Süden nach Nordosten verliefen.

Die 1. Befestigungslinie nach Artlenburg Richtung Osten waren die Burgen in Echem, Bullendorf, Sassendorf und Lauenburg. In Lauenburg etwa auf Höhe des heutigen Bahnhofs.

Es folgte die 2. Befestigungslinie von Burgplatz Lüdersburg, über Jürgenstorf in die sogenannte Landwehr. Die Landwehr war ein Grenzwall, beginnend an der Marschwetter und endend an der Elbe. Der Grenzwall erreichte die Elbe dort, wo auf der gegenüberliegenden Elbeseite der Limes Saxoniae begann.
Das heutig Schloß steht auf den Grundmauer des damaligen Wehrturms.

Die 3. Befestigungslinie verlief von Garze über den Steindamm, welcher ursprünglich auch eine Landwehr war, nach Brackede und weiter nach Boizenburg. Der Schlusspunkt der Wiedereroberung der Elbmarsch von den Wenden durch Hermann Billung war die Errichtung der Burg Garze und wohl auch der Burg in Bleckede. Der Name Garze bedeutet "kleine Burg".

So war die Elbmarsch in Abschnitten von den Wenden zurückerobert und durch Burgen oder befestigte Plätze geschützt worden.

Otto der Große erklärte die eroberten Gebiete an der Elbe (Bardowick, Lauenburg, Boizenburg, Bleckede) zur Grenzmark des Herzogtums Sachsen.

Eine Mark war ein von den Nachbarn abgewonnenes Gebiet, das durch Anlage befestigter Plätze, Burgen, Aufstellung militärischer Posten u.a. besonders geschützt wurde.


Weitere Befestigungsanlagen ließ Hermann errichten in Wendhausen (Feldsteinkirche), Neetze und Thomasburg. So war dieser Abschnitt Sachsens den Wenden gegenüber jetzt in seiner Hand.

Gesichert wurde das Land dadurch, dass Teile des Landes an einzelne Geschlechter vergeben wurden, die sich darauf sicher in den bereits vorhandenen Burganlagen festsetzten, wie z.B. von Lüdershausen, Echem, Lüdersburg, Wendewisch.

Andere Burgen, (Befestigungen), besetzte Hermann mit Getreuen oder mit verdienten Mitstreitern in militärischen Gefechten mit den Wenden oder vergab sie als Lehen.


Die Lüdersburg ist in der Zeit der Wendenkriege um 950 entstanden.



Ob es sich hier um eine Burg aus Stein handelt, oder eher um einen befestigten Platz mit Wall und Wallgraben oder einem Wehrturm, ist unbekannt.
Eine Burg im heutigen Sinne muss nicht unbedingt erwartet werden. Es wurden schon ein festes Haus oder eine Erdaufschüttung als Burg bezeichnet.
Um 1225 wird von einer festen Burg Luderesborch geschrieben.

Zur Gestalt der mittelalterlichen Burg existieren keine Aufschlüsse.



Namensgebung für Lüdersburg

In der Literatur gibt es unterschiedliche Deutungsversuche für den Namen Lüdersburg.

1225 erscheint der Ortsname Luderesborch.
An der Fuge zwischen Bestimmungswort und Grundwort, dem - es - von Luders-es-, erkennt man, dass ein Genitiv singular enthalten ist. Es ist daher von einem Personennamen im Bestimmungswort auszugehen.

In den Standardwerken der deutschen Vornamensforschung finden wir den germanischen Personennamen Liudheri.

Lüders, Lüder, Luder, Luer, Lüür, Lühr: Kurzform oder Kosename für Liudhari, Liutheri, Luidger, Lothar

Aus Luderesborch wurde in den folgenden Jahrhunderten LuderiborghLudersborgh, Ludersborch, Luderszborch, Ludersborg und schließlich Lüdersburg.
In der Mittelniederdeutschen Sprache wurde das - u - als - ü - gesprochen; es gab zu der Zeit kein eigenes Zeichen für - Ü -. 
1344 wird der Ort Luderiborgh erwähnt und als festes Haus bezeichnet.

Lüder ist der Name eines preußischen Adelsgeschlechts.

Lüder: 1137 finden wir auf der Ertheneburg bei Artlenburg den Grafen Siegfried zu Ertheneburg. Ein Sohn Siegfrieds hieß
Lüder (1144). Ob von diesem der Name Lüdershausen oder Lüdersburg abgeleitet werden kann, lässt sich nicht mehr feststellen.

Lothar (geb. 1174) war ein Sohn Heinrich des Löwen.


Neben 21379 Lüdersburg bei Lüneburg (Niedersachsen) bestehen noch weitere Orte in Deutschland mit der Vorsilbe Lüders im Ortsnamen:

14943  Lüdersdorf bei Luckenwalde (Brandenburg)
14959  Lüdersdorf bei Trebbin (Brandenburg)
16248  Lüdersdorf bei Eberswalde, Ortsteil von Parsteinsee, Landkreis Barnim, (Brandenburg)
16269  Lüdersdorf bei Bad Freienwalde (Brandenburg)
17091  Lüdershof bei Mölln ( Müritz, Mecklenburg-Vorpommern)
18314  Lüdershagen bei Riebnitz-Damgarten (Mecklenburg-Vorpommern)
18358  Lüdershagen (Mecklenburg-Vorpommern)
21382  Lüdershausen bei Lüneburg (Niedersachsen)
23923  Lüdersdorf bei Schönberg (Mecklenburg-Vorpommern)
23992  Lüdersdorf bei Neukloster (Mecklenburg-Vorpommern)
29394  Lüder Landkreis Uelzen (Niedersachsen)
31702  Lüdersfeld Landkreis Schaumburg (Niedersachsen)
36179  Lüdersdorf bei Bebra (Hessen)
            Lüdershof im Harz (Sachsen Anhalt) eine ehemalige Eisenhütte bis Anfang 19.Jahrhundert.

Ob ein Zusammenhang der Ortsnamen aufgrund der gemeinsamen Vorsilbe Lüders besteht, ist nicht bekannt, wohl eher nicht wahrscheinlich. In einigen Fällen wird von einem Lokator Lüder oder Luder als Namensgeber gesprochen, welcher die Kurzform von Liudger oder Ludger ist. In vielen Fällen ist es der Urname, Grundname, Erstname, der sich im Laufe der Jahrhunderte umgangssprachlich zum heutigen Namen Lüdersburg, Lüdersdorf, Lüdershagen, Lüdersfeld, Lüdershausen veränderte.

Redarier
Siedlingsgebiet der Redarier

SCHLOSS LÜDERSBURG

SCHLOSS LÜDERSBURG aktualisiert am 17.02.2019


Schloss und Gut Lüdersburg

Seit 1819 wird das Gut Lüdersburg in den Matrikeln der Ritterschaft des Fürstentums Lüneburg geführt. Es geht zurück auf eine Burganlage des frühen Mittelalters, deren Standort heute nur noch an einem zu ihrem Schutz errichteten Grabensystem zu erkennen ist. Ein genaues Erbauungsjahr ist nicht bekannt, wohl aber in der Zeit um 950. Zur Gestalt der mittelalterlichen Burg existieren keine Aufschlüsse. 

1225 erscheint erstmals der Ortsname Luderesborch.

1344 wird der Ort Luderiborgh erwähnt. Die dortige Befestigung wird als festes Haus bezeichnet.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts sind die von Hardesthorpe als Besitzer der Burg erwähnt.

Als ältester bekannter Besitzer von Burg und Gut Lüdersburg ist das Adelsgeschlecht Sprenger nachgewiesen. Bernhard Sprenger übertrug 1225 seine Güter in Haarstorf bei Ebstorf an die Grafen von Lüchow. Im Gegenzug erhielt er das Lehnsrecht über seinen Hof mit drei Hufen * Land in Lüdersburg sowie das Gericht (geschlossenes Patrimonialgericht)* über Burg und Ort und Jürgenstorf und die hohe und niedere Jagd sowie Fischrechte in zwei Seen. 1271 werden die Brüder Bernhard und Bertold Sprenger genannt.  

Ihnen folgten die von Zabel, die 1328 durch Bertram von Zabel das Gut, das aus dem Burgsitz hervorgegangen war,  mit Einwilligung des Herzogs Erich von Lauenburg als ihrem Lehnsherrn an den Lüneburger Stadtvogt Segeband von Wittorf veräußerten.  

Von Wittorf ist eine seit 1234 urkundlich bezeugte ritterschaftliche Familie aus dem Raum Lüneburg. Sie leitet ihren Namen von dem Ort Wittorf, nördlich von Lüneburg, ab. 

Damals war das Gut offenbar schon wieder zu einem einfachen Gut herabgesunken. Johann Ignatz von Wittorf übernahm 1758 von seinem Onkel Carl Friedrich von Wittorf das Gut mit den darauf lastenden Verbindlichkeiten von 25.000 Talern (Rtl). Er verkaufte es 1775 an den Oberst und Generaladjutanten Adolf Ludwig Freiherr von Spoercken für 58.000 Rtl. Bei Übergabe hatte das Gut 4717 Morgen Grundbesitz an Ackerland, Wiesen, Gärten, Kiefernwald und Erlenwald. Zum Gut gehörten auch das Dorf Jürgenstorf und die Vorwerke Ahrenschulter und Grevenhorn.

1849 hatte das Gut einen Grundbesitz von 3873 Morgen. Alle von Spoerckenschen Güter zusammen (neben Lüdersburg die Güter Dahlenburg, Süschendorf, Molzen, Emmendingen, Wendewisch und Horndorf) hatten einen Grundbesitz von 8718 Morgen.

Adolf Ludwig von Spoercken war ein Neffe des August Friedrich von Spoercken, ein kurfürstlich braunschweig-lüneburgischer Feldmarschall und kommandierender General im Siebenjährigen Krieg.

Adolf Ludwig ersetzte 1776 das alte, von den von Wittorfs übernommene, baufällige Herrenhaus durch einen Neubau.
Es ist das heute noch stehende barocke Herrenhaus. Es hat die Form eines zweigeschossigen Fachwerkgebäudes mit von einem Dachreiter gekrönten Mansardendach und einem schönen Treppenhaus und Gewölbekeller.
Die mittelalterliche Baugeschichte des Herrenhauses ist unbekannt. 

Nach dem 2. Weltkrieg fanden viele Flüchtlinge aus dem Osten im Schloss vorübergehend eine Unterkunft.

Im Jahre 1950 zog die neu gegründete private Elbmarsch Mittelschule mit angegliedertem Internat in das Schloss ein. 1963 wurde die  Schule in das neue Schulzentrum nach Scharnebeck verlegt. Rektoren in dieser Zeit waren Wolf, Wangerin, Lommatzsch und Bockelmann.

Danach wurde das Schloss zeitweise zweckentfremdet durch Einlagerung von landwirtschaftlichen  Erzeugnissen des Gutes. Durch diese Nutzung wurde die Bausubstanz erheblich beschädigt, sodass das Schloss abgerissen werden sollte.

Seit 1970 steht das Schloss unter Denkmalschutz und wurde ab 1981 grundlegend restauriert. Aus den vorhandenen Räumen wurden Wohnungen gebaut, die dann verkauft oder vermietet wurden.


* Hufen
Eine Hufe ist ein altes deutsches Flächenmaß, das in unterschiedlichen Gegenden unterschiedliche Größe aufweist, meist zwischen 30-80 Morgen, also 7,5 bis 20 ha.
1 Morgen entspricht etwa 2550 m²
1 Hektar entspricht 10000 m²

Man ging, je nach Bodengüte davon aus, dass eine Hufe Land eine Bauernfamilie ernähren konnte. Die Hufe hatte eine Größe, die die Familie jährlich mit einem Gespann Pferde bestellen konnte. In der Regel konnte man daran sehen, wie wohlhabend eine Familie war. Die Hufen waren meist lange Streifen Ackerlandes, die an der Dorfstraße, wo auch das Gehöft stand, begann und sich dann bei 200 Meter Breite 500 Meter lang erstreckten.


* geschlossenes Patrimonialgericht
Patrimonialgerichte waren die in Deutschland und Österreich bis Mitte des 19. Jahrhunderts bestehenden gutsherrschaftlichen Gerichte der adeligen Grundherren, die eine eigene vom Staat unabhängige Rechtspflege, die Grundgerichtsbarkeit, ausübte.

Die Gerichtsbarkeit war mit dem Besitz eines Gutes (patrimonium) verbunden. Der Grundherr (z.B. der Besitzer eines Rittergutes oder einer Hofmark) war Gerichtsherr und war als solcher befugt, seine Gerichtsbarkeit gegenüber seinen Untertanen selbst auszuüben.
Patrimonialgerichte umfassten vielfach jedoch nur die niedere Gerichtsbarkeit, also vor allem Eigentums-, Familien-, Erb- und Grundrechte, Gesindeordnung und teilweise auch niederes Strafrecht (z.B. Beleidigung, Raufereien), die vielfach an Dorfrichter deligiert wurden.

Von einem geschlossenen Patrimonialgericht sprach man, wenn der Patrimonialgerichtsherr über alle grundbesitzenden Hintersassen in den betroffenen Ortschaften die Gerichtsbarkeit ausübte. Hier: Gut und Ort Lüdersburg und Jürgenstorf.

Das deutsche Gerichtsverfassungsgesetz von 1877 hob Patrimonialgerichte für Deutschland vollständig auf.

LÜDERSBURG Schloss

LÜDERSBURGER KIRCHE PETER UND PAUL

LÜDERSBURGER KIRCHE PETER UND PAUL aktualisiert am 09.04.2019


Lüdersburger Kirche Peter und Paul

In den Verdener Geschichtsquellen wird erwähnt, dass die Kirche zum Bistum Verden gehörte. Wann die erste Kirche in Lüdersburg gebaut wurde ist nicht bekannt. Im 15. Jahrhundert wurden in der Spätgotik Langhaus und Chor erbaut. Davon ist heute kaum noch etwas zu erkennen. Auch eine alte gesprungene Glocke mit dem Relief Maria mit Kind weist auf diese frühe Zeit hin. Die jetzige Kirche ist in der Amtszeit von Pastor Friedrich Küster erneuert worden in den Jahren 1680 bis 1694. Der alte hölzerne Glockenturm wurde 1873 durch den jetzigen Ziegelturm ersetzt.

Der erste nachweisbare Geistliche, ein Herr Schwartze, amtierte um 1590. 

In den ruhiger gewordenen Jahrzehnten nach dem Siebenjährigen Krieg* erwarb Oberst Adolf Freiherr von Spoercken 1755 das Gut Lüdersburg und damit auch das Patronatsrecht* an der dortigen evangelisch-lutherischen Kirche Peter und Paul. Fast 450 Jahre (seit 1328) hatte das Gut der Familie von Wittorf gehört. Unter ihr sind im 15. Jahrhundert Langhaus und Chor entstanden. Auch findet sich über der Tür an der nördlichen Längsseite das 1617 datierte Wappen des Jochim Warner von Wittorf und seiner Ehefrau Elisabeth Doratea Bären (= von Bär)*.

1691 hat die Familie von Wittorf ihrer Kirche eine reiche Barockausstattung beschert, die im Gebiet um Lüneburg eine Besonderheit darstellt. Von ihrer Schönheit wird jeder eingenommen, der die Kirche durch den Haupteingang unter dem Turm betritt. Auf der geschweiften Schranke vor dem Altar hat man die beiden Schutzpatrone dieser Kirche vor sich, links den Apostel Petrus mit dem Schlüssel, dem Zeichen seiner Löse- und Bindegewalt (Matthäus 16,19) und rechts den Apostel Paulus mit dem Schwert, das auf die Art, wie er zu Tode gekommen ist, hinweist. Der Altar dahinter zeigt in der Mitte den gekreuzigten Christus mit einem Bild seiner Himmelfahrt darüber. Die geflügelten Engelsköpfe (= Putten) gehören zu den Ausdrucksformen des Barock. Flankiert wird der Gekreuzigte von Moses mit den Gesetzestafeln und Johannes dem Täufer mit Lamm und Buch, womit auf sein Wort über Jesus, "Siehe, das ist Gottes Lamm (Johannes 1,19), und auf seine Rolle als letzter der Propheten hingewiesen wird.

Die Kanzel hat Barbara von Wittorf, Domina (= Stiftsvorsteherin) des Klosters Lüne, 1698 gestiftet. Üppiger vergoldeter Zierrat in Blattform mit geflügelten Engelsköpfen darüber zieht sich an der Kanzeltreppe empor und bedeckt oben die bauschige Rundung. 

1705 schenkte die Familie von Wittorf der Kirche eine Orgel.

An der Nordseite des Kirchenschiffs befindet sich das Patronatsgestühl, die Prieche. Friederich August von Wittorf (gest. 1691) ließ es für sich und seine Ehefrau, Eleenora Agnesa von Discau, aufstellen. Wenige Meter weiter hängt an der Wand sein Epitaph * (= Totenschild). Was hier als Glaubensbekenntnis dieses Mannes zu lesen ist, ist kennzeichnend für die Frömmigkeit des Pietismus (lat. pietas = Frömmigkeit), der damals im Protestantismus das Zeitalter der Orthodoxie, d.h. der reinen Lehre, abgelöst hat. Das Neue am Pietismus war, dass ihm die reine Lehre nicht genügte, sondern zusätzlich eine herzliche Frömmigkeit der einzelnen Christen gefordert wurde.

1795 fand eine Hauptreparatur der Kirche statt.

Der neugotische Kirchturm, der durch vier Türme, die seine Spitze schmücken, auffällt, ist 1873 an Stelle eines hölzernen Glockenstuhls errichtet worden.

Die Turmhöhe beträgt 38 m.
Der Durchmesser der Zifferblätter der Turmuhr beträgt 2,50 m.
Die Turmspitze wurde 1999 erneuert.
Im Jahre 1795 wurde von der Landschaft des Fürstentums Lüneburg angeordnet, die Friedhöfe nach außerhalb der Orte zu verlegen. Der Friedhof am Friedhofsweg wurde am 30. März 1866 errichtet.


*Siebenjähriger Krieg 

Im Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763) kämpften mit Preußen und Großbritannien/Kurhannover auf der einen und der kaiserlichen österreichischen Habsburgermonarchie, Frankreich und Rußland sowie dem Heiligen Römischen Reich auf der anderen Seite alle Großmächte jener Zeit. Auch mittlere und kleine Staaten waren an den Auseinandersetzungen beteiligt.

Relevante Personen waren: Friedrich II Der Große, Georg III, Georg Washington, Maria Theresia, William Pitt,1. Earl of Chatham,
und für Lüdersburg:  August Friedrich von Spoercken.
                               August Friedrich von Spoercken, geb. 28. August 1698 in Hamburg, gest. 13. Juni 1776 in Hannover, war ein kurfürstlich braunschweig-lüneburgischer Feldmarschall und kommandierender General im Siebenjährigen Krieg.


*Patronatsrecht

Das Patronat ist eine Einrichtung des älteren katholischen Kirchenrechts, wurde später von den lutherischen Landesherren übernommen. Es umschreibt ursprünglich das Rechtsverhältnis eines Kirchenstifters (Patron) zu der gestifteten Kirche. Das Hauptrecht des Patrons war das Vorschlagsrecht für die Besetzung des betreffenden Kirchamtes. Die Rechte sind teils Ehrenrechte, z.B. auf einen besonderen Sitzplatz  (Prieche) in der Kirche und die Erwähnung im Gebet. Außerdem stand ihm das Begräbnis in der Kirche zu.
Seine Hauptpflicht bestand in der Übernahme der Baulast und u. U. auch der durch die Besetzung des Kirchamts entstehenden Personalkosten. Eine Schule mußte betrieben werden.
Seit 1918 können neue Patronate nicht begründet werden.

* Epitaph 

Als Epitaph wird eine Grabinschrift oder ein Grabdenkmal für einen Verstorbenen an einer Kirchenwand oder einem Pfeiler bezeichnet. Epitaphe können künstlerisch aufwendig gestaltet sein und befinden sich im Unterschied zum Grabmahl nicht zwangsläufig am Bestattungsort.

 



Das Epitaph von Friederich August von Wittorf ist gekrönt mit seinem Wappen. Dieses wiederum ist überschrieben mit: 

NIHIL DESPERANDUM CHRISTO DUCE  (zweifle nicht an der Führung Christi)

Das Glaubensbekenntnis auf dem Epitaph von Friederich August von Wittorf in der Lüdersburger Kirche:

                   DIESER KIERCHEN PATRONUS
               FRIEDERICH AUGUST VON WITTORF
       ACH GOTT SEI MIR ARMEN SÜNDER GNÄDIG
                JESU ERBARME DICH MEIN
                HERR ERBARME DICH MEIN
                   DER HERR SPRICHT
                          EZECH.AN 33.
SO WAHR ICH LEBE ICH WIL NICHT DEN TODT DES SÜN-
                                                                            DERS
                    DARÜM SO GLAUBE
WAS DU BÖSES HAST BEGANGEN DAS IST ALLES ABGESCHAFFET
GOTTES LIEBE NMPT GEFANGEN DEINER SUNDEN MACHT
                                                                      UNDT KRAFT
CHRISTI SIEG BEHELT DAS FELT UND WAS BÖSES IN DER
                                                                            WELT
         SICH WIL WIEDER DICH ERREGEN WIRDT ZU
                LAUTER GLÜCK UND SEGEN                                      
                                                                          
             ANNO 1691 DEN 20 DECEMBER


Drei Grabplatten

Von den drei Grabplatten lag wohl eine in der Kirche (siehe Patronatsrecht) und die beiden anderen auf dem Friedhof vor der Kirche und stehen jetzt senkrecht verteilt an der Wand im Innenraum der Kirche.

1. Grabplatte, aus Granit
(unterhalb der Kanzel)

Diese Grabplatte lag wohl in der Kirche auf dem  - von der Familie von Wittorf 1654 eingerichteten -  Grabgewölbe von Magnus Hans von Wittorf und seiner Ehefrau Abel Maria von Pentzen. (siehe Patronatsrecht)
Die Wappen beider Verstorbenen zieren die Platte. Jeweils auf der linken und rechten Seite der Platte sind die Daten der Verstorbenen eingemeißelt.

Zentral über den beiden Hälften:       HIER LIEGEN BEGRABEN

Linke Hälfte:

DER WEILAND HOCH
WOLLGEBOHRNE HERR
HERR MAGNUS HANS
VON WITTORF IST
GEBOHREN ANNO MDCLI
D. III.TEN JUNY (3.Juni 1651) , IST GE-
STORBEN ANNO MDCCV
DEN XX III. TEN JUNII (23.Juni 1705), SEI-
NES ALTERS LIV (54) JAHR
II (2) WOCHEN UND VI (6) TAGE
            UND
WAN DU AN JENEM TAG DIE
TODTEN WIRST ERWECKEN
WOLSTU AUCH DEINE HAND
ZU MEINEM GRABE AUS-
        STRECKEN

Rechte Hälfte:
DIE WEILAND HOCH
WOLLGEBOHRNE FRAU
FRAU ABEL MARIA
VON PENTZEN IST
GEBOHREN ANNO MDCLV
DEN XXVI: TEN APRIL (26.April 1655), IST
GESTORBEN ANNO MDCC (1700)
         DEN
IHRES ALTERS
NUN HAB ICH ÜBERWUNDEN
CREUTZLEIDEN ANGST
    UND NOHT
DURCH JESUS HEILIGE WUNDEN
BIN ICH VERSÖHNT MIT GOTT

Zentral im unteren Drittel: ein Totenkopfrelief


2. Grabplatte
Südseite unterhalb der Empore)

ehrwürdiger andaechtig undt wol
gelährter EHR.N Johannes Praetorius
45 jaehriger gewesener Pastor und
getreu fleissigen sehlsorgender Kirchen
Anno undt gemein zu Lüdersburg, 1667
                    SAP.3
Aber der gerechten sehlen sind in Gottes Hand
und keine Qaal ruret sie an fur den unvorsten
digen werden sie angesehen als sturben sie
und ihr abscheid wirt fur einpein gerechnet und
ihr hinfahrt für ein verderben aber sie sint im Fride
                  DAN.iZ
undt viele so unter der Erden Schlaffen
ligen, werden aufwachen etliche zum ewigen
Leben, etliche zu ewiger Schmach und Schande
Die lehrer aber werden leuchten wie des
Himmels Glantz undt die so UIEHLE zur Gerech
tigkeit, weisen wie die Sterne immer undt ewiglich
                 Jesaiae 56
aber der gerechte kombt umb. und Nimand
ist der es zu Hertzen Nehme, und Heilige
Leute werden aufgerafft und nimand
achtet darauf, den die gerechten werden
weggerafft für dem Unglück, und die
Richtig für sich gewandelt haben kommen
zum Friede und ruhen in ihren
                 Kammern
                 phil:  I
Chri xxxxxxx ist mein Lexxxxxxxxx


3. Grabplatte
(Nordseite unterhalb der Empore)


Beim wohl Ehrwürdigen und wohl
        gelährten Herrn
Herrn Friedrich Johann Müller
weiland wohlmeritirten Pastor
bey hiesiger Gemeine,
welcher gebohren Ao. 1661 gestorben Ao 1726
sein Lehramt geführet 26 Jahr

                 Absterget,    (er wird abbrechen)     
                 Vicisti,         (du hast besiegt)     
                 Coronaberis (du wirst gekrönt)  

setzten folgendes seine hinterbliebene
             Wittwe und Kinder
Mein Leser, wen du hier bei diesen Stein stehst
und wie du solst dabei auch in dich selber gehst
so denke das zwar hier ein Gottesman begraben
Der seine Krohne doch dort erstlich werde hae
nicht so wie sonstein Todt ein donner

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LÜDERSBURGER VEREINE UND INSTITUTIONEN aktualisiert am 26.06.2023


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